Du hast ein Smartphone in der Tasche, das bessere Fotos machen kann als die meisten Kameras vor 10 Jahren. Und trotzdem sehen die Bilder von vielen Leuten aus, als wären sie mit einer Kartoffel aufgenommen worden.
Woran liegt das? Die Antwort ist simpel: Es liegt fast nie am Gerät – es liegt daran, wie man es benutzt. Bei guten Lichtverhältnissen kann man ein Smartphone-Foto auf den ersten Blick kaum von einem Bild aus einer Profi-Kamera unterscheiden. Der Unterschied zwischen einem langweiligen Schnappschuss und einem Foto, bei dem jemand fragt "Wow, mit welcher Kamera hast du das gemacht?" steckt in ein paar grundlegenden Dingen, die du wissen und anwenden musst.
Licht – der wichtigste Faktor für gute Smartphone Fotos
Wenn es einen einzigen Tipp gibt, der deine Fotos sofort besser macht, dann ist es dieser: Achte auf das Licht. Nicht die Kamera, nicht das Motiv, nicht die Nachbearbeitung – das Licht entscheidet über Erfolg oder Misserfolg eines Fotos.
Eigentlich ist es ganz logisch: Denk an dich selbst – je dunkler es wird, desto schlechter kannst du sehen und desto mehr verschwimmen die Details. Dein Auge braucht Licht, um Informationen verarbeiten zu können. Und genau so ist es auch bei Kameras. "Richtige" Kameras – also Spiegelreflexkameras und Co. – können das ganz gut bewerkstelligen, da sie große Sensoren haben und Objektive, die viel mehr Licht einfangen können. Im Gegensatz dazu ist die Kamera in deinem Smartphone winzig und bietet rein technisch keine idealen Voraussetzungen dafür.
Bei guten Lichtverhältnissen ist das nicht weiter problematisch. Aber sobald es dunkler wird, stößt jedes Smartphone an seine Grenzen. Das bedeutet: Du musst lernen, mit dem Licht zu arbeiten statt dagegen.
Was Licht für dein Foto tut
Licht macht Dinge nicht nur sichtbar – es erzeugt Tiefe, betont Strukturen und Texturen, lässt Farben leuchten und schafft Atmosphäre. Gutes Licht schmeichelt dem Motiv, sorgt für natürliche Schatten und zeigt Details, die bei schlechtem Licht einfach verschwinden. Auch die Farbwiedergabe hängt direkt vom Licht ab: Warmes Kunstlicht verschiebt alle Farben ins Gelbliche, während Tageslicht neutrale, natürliche Farben liefert.
Die Lichtrichtung macht den Unterschied
Fast noch wichtiger als die Menge an Licht ist die Richtung, aus der es kommt. Und da liegt oft der größte Anfängerfehler; viele Menschen fotografieren gegen das Licht und darum sehen ihre Fotos gleich um Welten schlechter aus. Eine kleine Drehung würde manchmal reichen, um die Ergebnisse drastisch zu verbessern. Gegenlicht kann zwar auch zu sehr interessanten Ergebnissen führen, aber da muss man genau wissen, was man tut und die richtigen Einstellungen treffen.
Gute Fotografen suchen deshalb immer zuerst die Hauptlichtquelle und überlegen sich dann, wie sie ihr Motiv positionieren, um die gewünschte Stimmung zu erzeugen. Wenn du dir das aneignest, wirst du sofort bessere Fotos machen als die meisten anderen Menschen.
Wann du am besten fotografierst
Vor allem wenn du mit Tageslicht fotografierst, ist die Tageszeit entscheidend. Die sogenannte "Goldene Stunde" – die Zeit kurz nach Sonnenaufgang und kurz vor Sonnenuntergang – liefert das schönste und wärmste Licht. Die Mittagssonne hingegen erzeugt harte Schatten und lässt vieles flach aussehen. Und auch Wolken können dein bester Freund sein: Eine leichte Bewölkung wirkt wie ein riesiger Diffusor und sorgt für weiches, gleichmäßiges Licht – perfekt für Porträts.
Das Thema Licht geht noch deutlich tiefer – von der Belichtungsanpassung über den richtigen Umgang mit Gegenlicht bis hin zu Tricks für Aufnahmen bei Dunkelheit. In meinen Smartphone-Fotografie-Kursen habe ich dem Licht mehrere Lektionen gewidmet, weil es wirklich der Schlüssel zu guten Fotos ist.
Komposition – warum manche Fotos einfach "besser" wirken
Hast du dich schon mal gefragt, warum bestimmte Fotos professioneller wirken als andere, obwohl du nicht genau sagen kannst warum? Meistens liegt es am Licht, aber die zweithäufigste Ursache ist die Komposition – also die Art, wie die verschiedenen Elemente im Bild angeordnet sind.
Man mag beim Wort "Komposition" vielleicht zuerst an Musik denken, aber man kann auch ein Bild komponieren. Und es beginnt mit einer ganz simplen Frage: Wie rum halte ich mein Smartphone eigentlich am besten?
Format, Ausrichtung und Bildausschnitt
Ob dein Foto im Hoch- oder Querformat entstehen soll, hängt von zwei Faktoren ab: Dem Motiv und dem Verwendungszweck. Landschaften funktionieren meistens im Querformat, Porträts im Hochformat. Und wenn du schon vorher weißt, dass das Foto in deine Instagram-Story soll, dann solltest du natürlich im Hochformat fotografieren.
Egal wie du dein Smartphone hältst – wichtig ist, dass es gerade ist. Das klingt vielleicht banal, aber so viele Menschen schaffen es nicht, gerade Fotos zu schießen und dadurch sieht es gleich ein Stück weniger professionell aus. Ein schiefer Horizont oder schiefe Gebäude lassen jedes Foto unruhig wirken.
Tipp: Aktiviere das Raster und die Wasserwaage in deiner Kamera-App. Das Raster blendet dir Linien ein, an denen du dich orientieren kannst, und die Wasserwaage zeigt dir, ob dein Smartphone gerade ist. Diese zwei Funktionen allein machen schon einen spürbaren Unterschied.
Und zuletzt der Bildausschnitt: Vor allem bei Porträts beobachte ich häufig, dass über den Köpfen viel zu viel Luft ist. Wenn es in deinem Bild um eine Person gehen soll, dann achte darauf, dass sie das Format gut ausfüllt und der Kopf schön weit oben ist – natürlich ohne dass er angeschnitten wird. Das gilt genauso für andere Motive: Was wichtig ist, sollte im Bild auch optisch Priorität haben und nicht irgendwo am Rand des Fotos sitzen.
Die Drittel-Regel
Wenn du das Raster aktiviert hast, siehst du Linien, die dein Bild in neun gleiche Teile aufteilen. Die Idee der Drittel-Regel ist, interessantere Kompositionen zu erschaffen und nicht alles genau mittig auszurichten. Platziere stattdessen die wichtigsten Elemente deines Fotos auf diesen Linien oder an den Schnittpunkten. Das lässt das Bild dynamischer und spannender wirken.
Ein wichtiger Hinweis dabei: Wenn du ein Motiv auf einem Drittel platzierst und es nicht direkt in die Kamera schaut, dann achte darauf, dass es in das Bild hinein schaut. Bei einem Hund auf dem linken Drittel sollte der Blick nach rechts gehen – nicht aus dem Bild heraus. Sonst sieht es so aus, als wollte er davonlaufen.
Die Drittel-Regel ist übrigens nur die vereinfachte Version eines viel älteren Konzepts – dem Goldenen Schnitt. Der hat seinen Ursprung noch vor Christus und findet sich in der Kunst, der Architektur und der Natur immer wieder. Leonardo da Vinci hat seine Werke danach gestaltet, und auch in der Fotografie ist er ein großartiges Instrument.
Insgesamt gilt: Alles kann, nichts muss. Nicht jedes Foto sieht besser aus, wenn man die Drittel-Regel anwendet – und manchmal ist die mittige Platzierung genau richtig.
Die Kamera-App – mehr als nur ein Auslöser
Die meisten Menschen öffnen ihre Kamera-App, drücken den Auslöser und wundern sich dann über das Ergebnis. Dabei steckt in jeder Smartphone-Kamera deutlich mehr, als die meisten nutzen. Es fängt zum Beispiel dabei an, dass bei den meisten Smartphones – inklusive iPhone, Samsung Galaxy und Google Pixel – von Haus aus noch nicht die volle Bildqualität und -auflösung aktiviert ist. Das muss man erst auf eigene Faust in den Einstellungen auswählen. Und dann gibt es noch viele andere Aspekte, die von den meisten unbeachtet bleiben und verhindern, dass großartige Fotos entstehen können ...
Die richtige Kamera wählen
Moderne Smartphones haben mehrere Kameras – meistens eine Hauptkamera, eine Ultraweitwinkelkamera und ein Teleobjektiv. Die Hauptkamera (1x) liefert in den allermeisten Situationen die beste Qualität, weil sie den größten Sensor hat. Die Ultraweitwinkelkamera (0,5x) ist praktisch für Landschaften oder wenn du auf engem Raum viel aufs Bild bekommen musst. Und das Tele holt Motive heran. Viele nutzen aber fast immer nur die 1x Hauptkamera und ab und zu noch den 2-Finger-Zoom, was jedoch ein absoluter Anfängerfehler ist. Sie verpassen damit so viele tolle Möglichkeiten und wissen nicht, wie sich die Wahl der Kamera auf das Ergebnis auswirken kann – sowohl positiv als auch negativ.
Die Belichtung manuell anpassen
Dein Smartphone hat eine Belichtungsautomatik, die meistens einen guten Job macht. Aber eben nicht immer – vor allem bei schwierigen Lichtverhältnissen mit großen Helligkeitskontrasten oder Gegenlicht lohnt es sich, nachzuhelfen. Viele wissen jedoch gar nicht, wie sie die Belichtung richtig anpassen können und verpassen dadurch die Chance, außergewöhnliche Fotos zu machen.
Ein persönlicher Tipp von mir: Ich drehe die Belichtung oft ein kleines Stückchen nach unten. Dadurch werden die Kontraste stärker, die Schatten dunkler und die Bilder bekommen insgesamt mehr Tiefe. Es hat oft einen besonderen Reiz, wenn Bilder etwas dunkler sind als das, was die Automatik vorschlägt – probier das mal aus!
Mach die Linse sauber
Das klingt fast zu banal, um es zu erwähnen, ist aber tatsächlich ein weit verbreitetes Problem. Dein Smartphone steckt den ganzen Tag in der Tasche, wird angefasst, liegt auf dem Tisch. Da sammelt sich schnell Fett und Staub auf der Kameralinse. Das Ergebnis sind unscharfe, leicht verschleierte Bilder, bei denen man sich fragt, warum sie so komisch aussehen. Also: Bevor du abdrückst, Linse kurz mit einem sauberen Stück Textil abwischen.
Knipsen vs. Fotografieren
Der größte Unterschied zwischen guten Fotografen und Amateur-Knipsern ist eigentlich ganz simpel: Der Fotograf nimmt sich einen Moment Zeit bevor er abdrückt.
Knipsen kann jeder – Smartphone raus, draufhalten, fertig. Fotografieren bedeutet aber, kurz innezuhalten und sich ein paar Fragen zu stellen. In meinen Kursen kriegt darum jeder am Ende eine kleine Checkliste, die man sich in der Übungsphase dazu nehmen kann, damit man die wichtigsten Punkte nicht vergisst und nach und nach verinnerlichen kann.
Wie geht es weiter?
Jetzt hast du die wichtigsten Säulen der Smartphone Fotografie kennengelernt: Licht, Komposition und der bewusste Umgang mit deiner Kamera-App. Wenn du diese Grundlagen beim nächsten Mal anwendest, wirst du sofort einen Unterschied sehen.
Das ist aber natürlich noch lange nicht alles gewesen. Die Themen, die wir hier angerissen haben, gehen deutlich tiefer und es waren bei weitem noch nicht alle Aspekte, die aus einem Schnappschuss ein Kunstwerk machen können. Für diejenigen, die die Fotografie mit ihrem Smartphone wirklich meistern wollen, haben wir ausführliche Online-Kurse erstellt mit vielen schönen Lektionen, die du selbstständig absolvieren kannst. Wenn du mehr darüber erfahren willst, schau gern mal hier vorbei:
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Häufige Fragen zur Smartphone Fotografie
Kann ich mit dem Smartphone wirklich professionelle Fotos machen?
Ja. Bei guten Lichtverhältnissen sind Smartphone-Fotos von Profi-Kamera-Bildern kaum zu unterscheiden. Smartphones haben natürlich nach wie vor Grenzen – vor allem bei schlechtem Licht – aber auch dann kann man vernünftige Fotos machen, wenn man sich auskennt.
Brauche ich spezielles Zubehör?
Für den Anfang brauchst du nichts außer deinem Smartphone und dem Wissen, wie du es richtig einsetzt. Ein kleines Stativ kann später sinnvoll werden, ist aber kein Muss.
Was bringt ein Online-Fotokurs, wenn es kostenlose YouTube-Tutorials gibt?
Bei YouTube findest du nur einzelne Tipps und die relevanten Informationen sind über viele Videos und Kanäle verteilt. Ein Online-Kurs dagegen hat das gesamte Wissen gut strukturiert an einem Ort und zeigt dir die Zusammenhänge – und zwar auf dein Gerät zugeschnitten.

